Hesselberg - ein "heiliger" Ort der Täter PDF Drucken E-Mail
Vom 18. Oktober bis 18. November 2012 war in der Bamberger St. Stephanskirche eine Ausstellung des Nürnberger KOMM-Bildungsbereich zu sehen, die eine wichtige Kultstätte der Nationalsozialisten in Franken thematisierte, den Hesselberg. Die Ausstellung und die Rahmenprogramme waren ein sehr guter Erfolg, der nicht zuletzt auf das Engagement der vielen Veranstalter zurückzuführen ist.
Es wurden weit über 1000 Besucher gezählt, zusätzlich gab es noch einige Führungen für Schulklassen und einzelne Gruppen.
Die Abendvorträge im Rahmenprogramm waren sämtlich sehr gut besucht mit jeweils zwischen 100 und 150 Besuchern und boten Plattform für anregende Diskussionen.



Nationalsozialismus in Franken

Ausstellung:
Der Hesselberg – ein „heiliger“ Ort der Täter
Öffnungszeiten: täglich 10.00–18.00 Uhr
St. Stephan, Stephansberg 5, Bamberg
Führungen: Mo. - Fr. um 17 Uhr, Sa. und So. um 15 Uhr.
Keine Führungen am 27. und 28. Oktober.
Führungen für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage.

Ein wesentliches Merkmal der NS-Bewegung war die Entwicklung und der Aufbau eigener (Kult-)Stätten, an denen die politischen Vorstellungen des Nationalsozialismus zelebriert wurden. Bis heute ist relativ unbekannt, dass der Hesselberg in Mittelfranken ein solcher Ort war. Dort versammelten sich zwischen 1933 und 1939 zu insgesamt sieben „Frankentagen“ jeweils bis zu 100.000 Menschen. Die „Frankentage“, bei denen sich Julius Streicher als „Frankenführer“ feiern ließ, zählten neben den Reichsparteitagen in Nürnberg zu den größten Massenveranstaltungen in Bayern zu jener Zeit.
Nicht unerheblich bei der Auswahl des Hesselberges als Inszenierungsort der NSDAP war die hohe Bedeutung, die Mittelfranken für die Partei spielte. Mittelfranken galt als Brücke der nationalsozialistische Bewegung von Bayern in das Reich.
Die Ausstellung Der Hesselberg – ein „heiliger“ Ort der Täter verfolgt mit Hilfe von historischem Bildmaterial, Texten und Werbematerialien sowie mit Ton- und Filmaufnahmen das Ziel, den Hesselberg als einen vergessenen Ort der Täter ins Bewusstsein zurückzuholen. Dabei soll aufgezeigt werden, weshalb der Hesselberg als Kultort ausgewählt wurde, wie sich die Feiern auf dem Berg im Laufe der NS-Herrschaft veränderten und wie es möglich sein konnte, dass der Ort nach dem Ende des „Tausendjährigen Reichs“ in Vergessenheit geriet. Die „Frankentage“ trugen zudem, ebenso wie ähnliche Veranstaltungen des NS-Regimes, alle Merkmale von Großveranstaltungen der Massengesellschaften des 20. Jahrhunderts. Besucher reisten von Nürnberg und weiten Teilen Mittel- und Oberfrankens sowie Teilen Baden-Württembergs an.
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und gliedert sich in vier Segmente. Themenfeld eins befasst sich mit dem „Mythos Berg und den Nazis“ vor 1933. Das zweite beschäftigt sich mit dem „Ausbau des Hesselbergs zur Kultstätte“ und beleuchtet die Zeit zwischen 1933 und 1939. Kapitel drei widmet sich unter der Überschrift „Predigt und Gewalt“ der Rolle Streichers und seinem Antisemitismus, während sich der vierte Abschnitt mit dem „Verschwinden der Hesselbergtage“ aus dem Gedächtnis der Franken nach 1945 befasst.

Die Ausstellung will junge Menschen ebenso erreichen wie historisch interessierte Erwachsene. Gezeigt wird, wie und weshalb es in der Verantwortung der Einzelnen lag, dass der Nationalsozialismus erfolgreich sein konnte und dass es sich eben nicht um ein durch einen Demagogen verführtes Volk handelte.

Eine hochaktuelle Ergänzung findet die Ausstellung in mehreren Tafeln zu den „Frankentagen“ der Neonazis

Schirmherr der Ausstellung ist Oberbürgermeister Andreas Starke.

Veranstalter: Bündnis gegen Rechtsextremismus, Evang.-Luth. Dekanat Bamberg, Evang. Kirchengemeinde St. Stephan, Willy-Aron-Gesellschaft und Evang. Bildungswerk Bamberg

Ausstellungseröffnung
Der Hesselberg – ein „heiliger“ Ort der Täter
Do, 18.10.2012, 18.00 Uhr
Stephanskirche, Bamberg
Grußwort der Stadt Bamberg: Dr. Christian Lange
Musik: Nadine und Eduard Resatsch
Einführung: Matthias Dachwald, Kurator Künstlerhaus im Kunstkulturquartier (KOMM-Bildungsbereich), Nürnberg

Rahmenprogramm


Dokumentarfilm
Architektur des Untergangs
22. und 23.10.2012, 18.30 Uhr
Lichtspiel Kino & Café, Untere Königstraße 34


Peter Cohens Film über den Nationalsozialismus gelingt eine intelligente und erhellende Darstellung der geistigen Welt der Führungsspitze des Nationalsozialismus und ihrer Folgen für die Welt. Den Ausgangspunkt bildet für ihn die Tatsache, dass nicht nur Adolf Hitler selbst, sondern auch andere Nazi-Größen ihre Laufbahn als gescheiterte Künstler begonnen haben. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine auf ebenso kleingeistiger wie größenwahnsinniger Ästhetik aufbauende Ideologie, die durch ihre Verbindung von ewiger Geltungssehnsucht, der Stilisierung des Untergangs und dem verblendeten Traum von der Überlegenheit der Herrenrasse eine beispiellose Menschheitskatastrophe herbeiführte.
Neben den Aufführungen am 22. und 23. Oktober können Schulklassen an Werktagen vormittags und nachmittags Filmvorführungen buchen unter 0951/26785.

Vortrag und Gespräch

Die „deutscheste aller Landschaften“
Franken und der Nationalsozialismus
Fr. 9. November, 19.30 Uhr
Gewölbe der Stephanskirche, Stephansplatz, Bamberg
Referent: Thomas Greif, Dr. phil., Redakteur beim evangelischen Sonntagsblatt (Nürnberg)


Hitlers bekanntes Wort von der „deutschesten aller Landschaften“ ist Ausgangspunkt für eine landeshistorische Betrachtung Frankens in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Vortrag skizziert in zwei Schwerpunkten die herausragende Bedeutung Frankens für den Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik und erläutert ausführlich die herausragende ideologische Wertschätzung, die Franken im Weltbild von Hitler, Streicher & Co. besaß. Die Zuhörer begegnen braunen Protagonisten aus Franken, die es zu internationaler oder wenigstens regionaler Berühmtheit gebracht haben, und den zentralen Stätten und Ereignissen des Geschehens – vom Reichsparteitag in Nürnberg bis zum reichsweit ersten „Denkmal der Bewegung“ in Gunzenhausen.

Dem Vortrag geht um 19:00 Uhr eine kurze Ausstellungsführung in St. Stephan voraus.


Vortrag und Gespräch

Die aktuelle rechte Szene in Franken
Mi. 13. November, 19.30 Uhr
Gewölbe der Stephanskirche, Stephansplatz, Bamberg
Referent: Robert Andreasch, Journalist, München


Nach Bekanntwerden der Mordserie durch die rechtsextremen Terroristen der NSU haben viele Menschen gedacht, dass Neonazis aus Freien Kameradschaften und Parteien sich zurückhalten und ihre Aktivitäten verringern. Das Gegenteil ist der Fall - Bayern und insbesondere Franken erleben seit Ende des Jahres 2011 eine äußerst aktive rechtsextreme Szene. Wer steckt hinter ihr, welche Ziele verfolgt sie? Mit welchen ideologischen Kampagnen versuchen sie, Menschen und insbesondere Jugendliche für sich zu gewinnen? Was sind die Hintergründe ihres Erstarkens gerade in Bayern, gerade in Franken?
Auf diese Fragen antwortet Robert Andreasch, profunder Kenner der rechtsextremen Szene in Süddeutschland und engagierter Journalist. Der Abend wird moderiert von Martin Becher, stellvertretender Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks Bamberg.
 


Finissage der Ausstellung „Der Hesselberg – ein „heiliger“ Ort der Täter“
Protestantismus und Nationalsozialismus. Eine Skizze
So, 18. 11.2012, 17 Uhr
Gewölbe der Stephanskirche, Stephansplatz, Bamberg
Referent: Dr. Eckart Dietzfelbinger
Musik: Nadine und Eduard Resatsch


Protestantismus und Nationalsozialismus. Eine Skizze

Vortrag von Eckart Dietzfelbinger

In weiten Gebieten Nordbayerns (Mittel- und Oberfranken) kontrollierte die NSDAP das gesamte öffentliche Leben in erheblichem Umfang schon vor dem Machtantritt 1933 und setzte die verfassungsmäßige Ordnung außer Kraft.

Einer der Gründe dafür lag in der hier dominierenden protestantischen konfessionellen Struktur der Region. Die bekenntnisbewussten Lutheraner pflegten einen Nationalprotestantismus, der seine politische Heimat bei den Parteien der Rechten fand. Damit verbunden war ein mehr oder weniger extremer, in den Satzungen offen angesprochener Antisemitismus. Die Protestanten begrüßten 1933 mehrheitlich die Machtübernahme durch Hitler.

Bald nahmen die staatlichen Eingriffe in das kirchliche Leben mit dem Ziel der völligen Entchristlichung der Gesellschaft zu. Die Folge war der „Kirchenkampf“: das Ringen der evangelischen (wie katholischen) Kirche zur Wahrung ihres institutionellen Bestandes und der Seelsorge. Dabei richtete sich die erfolgreiche Abwehr der Gleichschaltung der Evangelischen Landeskirche Bayern durch Landesbischof Hans Meiser zu keinem Zeitpunkt gegen das „Dritte Reich“. Zur Verfolgung und Ermordung der Juden schwieg sie als öffentliche Institution. Sie verhielt sich staatskonform.


Der Vortrag skizziert Ursachen und Gründe für den Aufstieg der NS-Bewegung in Nordbayern unter besonderer Berücksichtigung der Wesensverwandschaft zwischen Protestantismus und Nationalsozialismus.

 

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