Das Mahnmal PDF Drucken E-Mail
Im zentralen Stadtraum zwischen Harmoniegarten und E.-T.-A.-Hoffmann-Platz zeigt das Mahnmal für Widerstand und Zivilcourage die Büsten von Willy Aron, Hans Wölfel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Wohlüberlegt stellt es diese drei Persönlichkeiten vor, die aus unterschiedlichen Beweggründen den Weg des Widerstandes gegangen sind. Personen mit sehr unterschiedlichen familiären Hintergründen und Werdegängen. Keine Helden von Geburt an. Ganz normale Menschen.
Es vereint:
Den kämpferischen Jungsozialisten Willy Aron, der sich für die Bildung von Arbeiterkindern einsetzte, Mitglied jüdischer Jugendorganisationen war, als Rechtsreferendar Sozialdemokraten strafrechtlich verteidigte und, der bereits 1933 im Konzentrationslager Dachau bestialisch zu Tode geprügelt wurde.
Den mutigen Rechtsanwalt Hans Wölfel, der bereits 1923 und als Vorstand der Katholischen Aktion vor der NS-Ideologie warnte, für politische Bildung und gesellschaftliches Engagement eintrat, ab 1933 Mitglied zweier Widerstandsgruppen war, als Regimekritiker denunziert am 3. Juli 1944 enthauptet wurde.
Den adeligen Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der sich zum Attentat auf Hitler durchrang, mit dem er am 20. Juli 1944 der Unmenschlichkeit des Krieges ein Ende setzen wollte und noch in der darauffolgenden Nacht erschossen wurde.

So bildet das Mahnmal einzigartig eine beachtenswerte Bandbreite des damaligen Widerstandes ab. Es erinnert an eine Zeit, in der Freiheit, Menschenwürde und Verantwortung durch die Machthaber in Deutschland mit Füßen getreten wurden. Freiheitliches Denken, verantwortliches Handeln und Zivilcourage wurden durch die damaligen Machthaber unterdrückt und häufig mit dem Tode bestraft. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit erzielten die Nationalsozialisten vordergründige Erfolge. Doch der Einzelne und das ganze Volk drohten an seinen Wurzeln, an seiner Seele, zu verderben.
Deswegen gingen Viele - aber insgesamt doch zu Wenige - mutig den Weg in den Widerstand gegen die NS-Diktatur. So steht das Mahnmal letztlich auch stellvertretend für alle Menschen, die in der schweren Zeit des politischen Umbruchs und unter der NS-Herrschaft die Kraft zur sittlichen Entscheidung für das politisch und menschlich Notwendige aufbrachten. Für alle, die für einen reflektierten Umgang mit den Problemen und Herausforderungen der Zeit eintraten und das Recht verteidigten. Für alle, die in scheinbar auswegloser Lage den Mut zu einem ethisch begründeten Handeln fanden.
Es ruft zum Gedenken auf und es will Besucher ermutigen, in ihren eigenen Gemeinden zu erforschen, wie Menschen ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus gestalteten. Denn vieles ist noch unerforscht und droht vergessen zu werden, wie zum Beispiel der Widerstand der kleinen Leute.
Es ruft zu Zivilcourage in Gegenwart und Zukunft auf, weil die Mutigen von damals ganz normale, höchst unterschiedliche Menschen waren, die uns zeigen, dass jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten die Gelegenheit hat, zu entscheiden. Sie zeigen, dass es auch in scheinbar auswegloser Lage möglich ist, das politisch und menschlich Notwendige zu tun. Sie zeigen außerdem, was für die freiheitliche Gesellschaft noch immer lebensnotwendig ist: ein aufgeklärter, reflektierter Umgang mit den Problemen und Herausforderungen der Zeit; ein Eintreten für Freiheit in Verantwortung und für Gemeinwohl; das Entwickeln eigener Formen von Zivilcourage und Uneigennützigkeit. Damit bietet das Mahnmal letzten Endes bedeutsame Vorbilder an. Dana Horáková schreibt über Vorbilder, zu denen man sich bekennt: „Wer sich zu seinen Vorbildern bekennt, tastet sich auch an jene Werte heran, die seit Urzeiten nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen wichtig sind.“
Und wir brauchen heute mehr aufgeklärte und reflektierende Menschen. Und weniger Menschen, die sich gedankenlos-bereitwillig überall hin lenken lassen, wo man annimmt, dass sie sein möchten. Eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft kann auf Dauer nur mit aufgeklärten Menschen gelingen.

 

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