Biographie
Hier finden Sie eine Kurzbiographie unseres Namensgebers.

Biographie Willy Arons (1907-1933)




1921, mit 14 Jahren kam Willy Aron zur Sozialistischen Arbeiterjugend. Er wurde aktiver Funktionär und war dann der einzige Student unter den jungen Arbeitern. Von anderen Studenten wurde er deshalb mit Hohn und Spott bedacht, man nennt ihn "Stehkragenproletarier", was ihn jedoch nicht beeindruckte. Er studiert in Erlangen und Würzburg, gibt dort gelegentlich sozialistische Weltverbesserungsträume preis und wird mit dem Spitznamen "Ilja Andrewitsch" bezeichnet. Er wird Leibbursche des Fuchsen Günter Beyer in der "Wirceburgia", eines Halbjuden, der schreibt: "Aron hatte nicht um mich geworben und hatte keinen anderen Leibfuchsen... er war ein stiller, schlanker Mann und er wurde zu einem wertvollen Freund im Gedankenaustausch."

Später ist Aron dann Justizreferendar in Bamberg. Auch dort steigt der Faschismus langsam auf. Schon im Jahre 1923 kam es zu Überfällen auf Sozialdemokraten. Diese führten erfolgreiche Wahlkämpfe, und die Gründung der "Eisernen Front" im Februar 1932 brachte der Partei neuen Zulauf, man musste sogar zeitweise eine Mitgliedersperre verfügen. Willy Aron gehörte der Leitung der republikanischen Kampforganisation "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" an, Zusammenstöße mit den Braunhemden sind an der Tagesordnung.

Am 1. März 1932 überfallen die Nazis die Wunderburg, am 16. März findet ein Überfall auf die Wache der Arbeitersamariter statt, am 31. Juli kommt es zu einem schweren Zwischenfall im Restaurant Nöth (Gaststätte Schillerplatz). Darüber berichtet Altstadtrat Jakob Kreiner in seinen "Erinnerungen": "Die Nazis hatten bei der Reichstagswahl Stimmen gewonnen und wollten den Nöth stürmen. Dort trafen sich die Sozialdemokraten. Garten und Lokal waren voll besetzt. Die Angreifer agierten mit Gummiknüppeln, Schulterriemen und Stahlringen. Wir wehrten uns mit Gartenstühlen, abgebrochenen Stuhlbeinen und mit im Hof gelagerten Holzscheiten. Die Gendarmerie wurde alarmiert, und es fiel im Verlauf des Kampfes sogar ein Schuss... Es wurden Verhaftungen vorgenommen und es erfolgte eine Verhandlung vor dem Gericht. Die Verteidigung unserer Genossen hatten der junge Willy Aron und Rechtsanwalt Dr. Thomas Dehler übernommen."

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Hitler machte die Kommunisten dafür verantwortlich und verkündete: "So würde unser ganzes Land aussehen, wenn der Kommunismus und die mit ihm verbündete Sozialdemokratie auch nur auf ein paar Monate an die Macht kämen: Wie ein Aufschrei muss es durch Deutschland gehen: Zerstampft den Kommunismus - zerschmettert die Sozialdemokratie." Der Reichstagsbrand diente Hitler bekannterweise als Vorwand für den Griff nach der ganzen Macht, wichtige Verfassungsrechte werden außer Kraft gesetzt - die kommunistische Partei wird verboten, die Presse der Sozialdemokratie wird unterdrückt. In Bamberg betraf dies den "Freistaat", die Zeitung der hiesigen Sozialdemokraten, die damit ihr wichtigstes Informationsinstrument verloren. Das alles hat Willy Aron sehr aufmerksam verfolgt. In jugendlicher Empörung ließ er alle Vorsicht beiseite und äußerte, den Reichstagsbrand hätten wohl die Nazis selbst gelegt. Er konnte nun abends nicht mehr gefahrlos die Straße betreten, man schimpfte ihn "den Roten Hund".

Am 23. März wird der Bamberger Stadtrat gezwungen sich selbst aufzulösen, die letzte Amtshandlung ist die Umbenennung der "Langen Straße" in "Adolf-Hitler-Straße". Der neue Stadtrat wird nach dem Ergebnis der letzten Reichstagswahl besetzt, die Sozialdemokraten haben nun nur noch 4 Sitze. Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 überträgt der Regierung für vier Jahre die gesetzgebende Gewalt: dieses Gesetz wird von allen Abgeordneten mitgetragen, allein die SPD verweigerte die Zustimmung. Die Jugend organisierte sich in der Hitlerjugend, 1933 stieg die Zahl der HJ-Mitglieder von vorher 100.000 auf 2,3 Millionen.

Was mag damals in Willy Aron vorgegangen sein? Aber es war kein Wunder, dass nach der Machtergreifung Aron einer der ersten war,den man verhaftete. Nun konnte man sich rächen an dem unbequemen Ankläger, ihn unschädlich machen, den Kämpfer für eine unverfälschte Demokratie. Man hält ihn wochenlang in Schutzhaft, bis man ihn dann am 15. Mai nach Dachau bringt "mit den nötigen Empfehlungen".

Die Staatsanwaltschaft hielt später fest: "Schon bei der Einlieferung wurden viele Häftlinge schwer misshandelt, so z.B. der jüdische Gerichtsreferendar Wilhelm Aron aus Bamberg, der durch seine Größe und sein rotes Haar auffiel. Er wurde von den SS-Männern so sehr geschlagen, dass die Gesäßknochen freilagen und er bewusstlos in das Krankenrevier geschafft werden musste. Nach erneueten Misshandlungen starb er am 19. Mai 1933."

Zur gleichen Zeit befand sich auch der ehemalige KPD-Stadtrat Otto Geyer als Häftling in Dachau, er wird Augenzeuge der Bluttat. In seinem Bericht heißt es: "Er war in eine besondere Baracke am Appellplatz gebracht, dort nackt ausgezogen und, den Kopf mit einer Decke verhüllt, von 4 SS-Leuten mit großen Ochsenziemern barbarisch geschlagen worden. Im Glauben, die Schläger würden das Gesetz noch respektieren, hat er ausgerufen: „Mein Vater ist Justizrat, ich werde mich beschweren." Ein SA-Führer soll daraufhin dem am Boden Liegenden mit einem genagelten Stiefel noch einen schweren Tritt in den Magen versetzt haben. Als blutigen Fleischklumpen brachte man Aron dann in eine Lazarettbaracke, wo er zwei Tage ohne jegliche Hilfe lag und dann verstarb. Nachts um 11 Uhr ist nach Berichten des Augenzeugen Geyer und eines weiteren Bamberger Häftlings die Lagerfeuerwehr alarmiert worden und danach habe Willy Aron als verkohlte Leiche in dem Schuppen gelegen. Sein Körper sei mit Benzin übergossen worden und man habe den Eindruck erwecken wollen, Aron sei bei einem Fluchtversuch durch einen Stromschlag getötet worden.

Am 22. Mai 1933 kam der Sarg mit Arons Leiche in Bamberg an und musste noch am gleichen Abend beigesetzt werden. Den Eltern wird eine Öffnung des Sarges verweigert, anschließend bezogen SA-Posten Stellung vor dem jüdischen Friedhof. Sie sollten verhindern, dass der Sarg doch noch geöffnet werde und kontrol-lierten das Grab mehrere Wochen lang. Der Rabbiner Dr. Katten bezweifelte, dass Aron - wie offiziell erklärt - an einer ansteckenden Krankheit mit Herzversagen gestorben sei und wagte es, die Möglichkeit eines Verbrechens anzudeuten, woraufhin er von der Gestapo vorgeladen und schwer bedroht wurde. Später bekundete Otto Geyer, ein in der Lagertischlerei beschäftigter Häftling habe ihm versichert, dass der Sarg Arons mit Bleiplatten ausgelegt worden sei. Die verkohlten Überreste des Ermordeten seien irgendwo auf dem Gelände des Lagers verscharrt worden.

Die Eltern Willy Arons, Albert und Berta Aron, wurden am 9. September 1942 von Bamberg ins KZ Theresienstadt deportiert und später nach Treblinka deportiert und ermordet.